Neurodermitis

Pflegehinweise bei Neurodermitispatienten

Basispflege: Dient der täglichen Pflege gerade in der schubfreien Zeit. Sie wird je nach Hautzustand 1-3 x tgl. durchgeführt. Besonders effektiv wenn sie in die noch halbfeuchte Haut nach dem Baden einmassiert wird. Im Sommer werden eher Cremes – Lotionen (Ö/W), im Winter eher Salben – Fettcremes (W/Ö) verwendet.

Intensivpflege: Bei Hautverschlechterung häufigere Pflege mit eher wässrigen, nicht zu fettenden Salben, mit fett-feuchten Verbänden beginnen.
(Sommer oder Wintersalbe auf die Haut dann feuchter Umschlag (Wasser oder Schwarztee) mit Schlauchverband (z.B. Tubifast), darüber ein trockener Umschlag für einige Stundnen oder über Nacht belassen, nicht trocken werden lassen.

  • Evtl. mit Zinkcreme (2 x tgl.)
  • Elidel/Douglan/Protopic (1 x tgl. dünn nur auf die betroffenen Gebiete (Sonnenschutz beachten)
  • Cortisoncreme (1 x tgl. nach 3-5 Tagen ausschleichen (1 Woche jeder 2.Tag, 1 Woche jeder 3.Tag))

Schwarzteeumschläge (2 Btl. – 200 ml Wasser 20 min. ziehen) oder Bäder (4 Btl. – 1l Wasser 20 min. ziehen mit ins nicht zu heiße Badewasser)

Akute Verschlechterung: Zinksalbe unter feuchte Verbände, evtl einmalig Cortison unter feuchte Verbände, Auf nässende Stellen nie Salbe sondern Schwarzteeumschläge, bei gelblichen Krusten und ausbleibender Besserung oder Fieber Arztvorstellung.

Juckreiz: Kühlen, nicht kratzen sondern drücken- Salbe einmassieren, z.B.Kratzklotz benutzen.

Juckreizlindernde Maßnahmen bei Neurodermitis

  • Kühlen mit trockener Kälte, ( z.B. mit Coldpacks, die in ein Baumwolltuch eingeschlagen sind).
  • Kühlen mit feuchter Kälte, (juckende Hautstellen unter fließend kaltes Wasser halten, ein feuchtes, kaltes Baumwolltuch aus glattem Material auf die juckende Hautstelle legen, Kochsalz- bzw. Teeumschläge durchführen).
Kochsalzumschläge

Anwendung: bei Juckreiz, bei entzündeter, leicht nässender Haut
Wirkung: juckreizlindernd, kühlend, desinfizierend, heilend

Vorbereitung: Kompressen oder saubere, dünne Baumwolllappen, z.B. Stofftaschentücher oder Geschirrhandtücher, Kochsalzlösung (NaCI 0,9%) aus der Apotheke oder selbstgemachte Kochsalz (11 abgekochtes Wasser und 9g Kochsalz – ca. 1 Teelöffel – auflösen. Diese Lösung abkühlen lassen. Sie ist im Kühlschrank zwei Tage haltbar). Alternativ zu Kochsalzlösung kann auch einfach Wasser ausprobiert werden.

Durchführung: Leicht nässende Hautstellen eventuell dünn eincremen, da es möglich ist, dass die Kochsalzlösung auf der Haut brennt.
Kompressen oder Baumwolllappen mit der Kochsalz tränken. Hierzu von der Kühlschrank kalten Lösung vorher etwas Lösung in eine Schüssel geben und auf Zimmertemperatur anwärmen lassen.
Getränkten Lappen auf die juckende bzw. entzündete Hautstelle geben. Der Kochsalzumschlag sollte ca. 10- 15 Minuten auf der Haut liegen bleiben. Nach Beendigung des Umschlages die Haut erneut eincremen.

Teeumschläge

Da Kochsalzumschläge auf stark nässender Haut brennen, sind Teeumschläge in dem Fall eine gute Alternative.

Anwendung: bei Juckreiz, bei entzündeter, stark nässender Haut
Wirkung: kühlend, heilend, austrocknend / gerbend

Vorbereitung: Kompressen oder dünne Baumwolllappen, 1l starker schwarzer Tee, der abgekühlt ist.

Durchführung: Kompressen oder Baumwolllappen mit schwarzem Tee tränken. Getränkten Lappen auf die juckende bzw. entzündete Hautstelle legen. Der Teeumschlag sollte ca. 10-15 Minuten auf der Haut liegen bleiben. Nach Beendigung des Umschlages die Haut eincremen.

 Hilfreiche Tipps zur Kleidung

  • Unterwäsche auf links anziehen, um eventuelles Scheuem der Nähte auf der empfindlichen Haut zu vermeiden.
  • Schilder aus der Kleidung entfernen.
  • Baumwoll-, Leinen-, oder luftdurchlässige Synthetikkleidung tragen. Wolle vermeiden, denn sie kann die Haut reizen. Bei kleinen Kindern, die noch getragen werden, gilt das auch für die Kleidung der Eltern.
  • Kinder sollten nicht zu warme Kleidung tragen, sondern leichte, luftdurchlässige Kleidung. Möglichst keine Polyesterstrumpfhosen anziehen. Besser sind lange Unterhosen und Socken.
  • Weichspüler sind umstritten. Neue Waschmittel vorsichtig testen.
  • Bettwäsche sollte aus Leinen oder Baumwolle bestehen. Biber- oder Frotteewäsche ist ungünstig, da sie durch Reibung zusätzlich reizen kann.
  • Die Raumtemperatur sollte tagsüber nicht über 20°C liegen.
  • Die Schlaftemperatur sollte kühl sein (unter 16°C).
  • Als Kuscheltiere bieten sich besonders hausstaubmilbenfreie Kuscheltiere aus Encasingmaterial an.
  • Als Schlafanzug ist ein Neurodermitisanzug vorteilhaft.

 

Grundsätzliches zur Körperreinigung:

  • Seifen sollten gemieden werden, da sie die Hautaustrocknung fördern. Besser eignen sich ph-neutrale Waschemulsionen.
  • Das Baden sollte dem Spaß und der Entspannung dienen wie der Reinigung.
  • Offene Hautstellen, die im Wasser brennen könnten, vor dem Bad dünn eincremen.
  • Nach dem Baden bzw. Duschen grundsätzlich kurz etwas kühler abduschen, besser noch ist Wechselduschen durchzuführen. Wechselduschen regen Talg- und Schweißdrüsen an, und der Aufbau eines natürlichen Säureschutzmantels wird gefördert.
  • Eine Vorstufe zu Wechselduschen können Spiele im Wasser sein, wie z. B. Becher oder Gießkanne mit kaltem Wasser füllen und damit einzelne Körperteile begießen.
  • Nach dem Baden bzw. Duschen die Haut möglichst nur trocken klopfen, nicht abrubbeln.
  • Nach dem Baden bzw. Duschen die Haut eincremen.

Beim medizinischen Bad ist zu beachten:

  • Empfehlenswert ist ein medizinisches Bad 2-3 mal wöchentlich.
  • Dosierung des Badezusatzes nach Beipackzettel.
  • Badedauer nicht länger als 10 Minuten, da die Haut sonst zu stark aufweicht.
  • Wassertemperatur sollte 35°C nicht überschreiten, da wärmeres Wasser eine starke Hauterwärmung fördert und somit Juckreiz auftreten kann.
  • Bei Verwendung eines Ölbades den Badezusatz erst nach der Körperreinigung ins Badewasser geben.

 

Praktische Hilfen beim Eincremen

Das Eincremen ist eine sehr nahe und intensive Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Deshalb ist es wichtig, darauf zu achten, wie man eincremt.

Hilfreich beim Eincremen ist es:

  • Sich zu fragen, wie man selbst bei einer gereizten empfindlichen Haut eingecremt werden möchte.
  • Bei gereizter, kaputter Haut die Salben eher einzuklopfen anstatt sie einzustreichen.
  • Für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen.
  • Wenn der Zustand der Haut es zulässt, pflegende und angenehm riechende sowie leicht einziehbare Salben zu verwenden.
  • Wenn es der Hautzustand zulässt, Cremen und Massieren evtl. miteinander zu verbinden.
  • Wenn irgendwie möglich, das Eincremen als eine angenehme, lustbetonte Aktivität zu gestalten.

 

Aus unserer Erfahrung sollte man besonders beachten:

  • Vor dem Cremen die Hände gründlich zu waschen;
  • Einen Holzspatel oder sauberen Löffel zum Entnehmen der Salbe aus den Salbentöpfen zu benutzen. Bei jeder neuen Entnahme einen neuen Spatel bzw. Löffel nehmen. Dies ist besonders bei infizierter Haut zwingend erforderlich.
  • Creme- und Salbenreste am Deckel und Gewinde zu entfernen;
  • “Von oben nach unten“ einzucremen (Gesicht, Hals, Arme, Bauch, Rücken, Füße, Beine, Gesäß zum Schluss);
  • Gesamte Haut dünn eincremen und gut einmassieren. Gerötete oder besonders trockene Hautstellen etwas dicker eincremen.
  • Falls das Kind sich in der Eincremsituation stark kratzt, ihm vorher Handschuhe anzuziehen und erst nur den Oberkörper ausziehen, ihn eincremen oder Verbände neu anlegen, den Oberkörper anschließend wieder anziehen und erst dann den Unterkörper ausziehen und versorgen.
  • Auf kurze Fingernägel achten, evtl. die Fingernägel feilen.
  • Nach dem Eincremen von infizierter Haut oder nach dem Cremen von Cortisonsalben unbedingt die Hände waschen.
  • Vorsicht beim Gebrauch von Gummihandschuhen (Allergiegefahr!). Eventuell Einmalplastikhandschuhe benutzen.