AD(H)S

Medizinisches über AD(H)S

Das Aufmerksamkeits Defizit(Hyperaktivitäts)Syndrom (AD(H)S) ist eine neurowissenschaftlich erklärbare Erkrankung. Der angeborene Mangel von verschiedenen Botenstoffen im Gehirn wird für eine Fülle von Auffälligkeiten verantwortlich gemacht. Zu den Hauptproblembereichen gehören:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche
  • Impulsivität im Verhalten und beim Arbeiten
  • Motorisch unruhig und/oder verträumt
  • Evtl. weitere Handicaps (Komorbitäten)

Es gibt verschieden Ausprägungen:

  • ADS mit Hyperaktivität (ADHS)
  • ADS ohne Hyperaktivität (ADS)
  • ADS vom Mischtyp

Die Diagnostik fußt auf mehreren Bausteinen, mit dem Problem, dass es keinen eindeutigen garantierten Test zur Diagnostik gibt, sonder viele verschieden Tests und Beobachtungen benötigt werden.

Die Behandlung erfolgt auf verschiedenen Ebenen. Zum einen wird versucht durch Medikamente den Mangel an Botenstoffen auszugleichen, andererseits behandelt man weitere Handicaps und versucht Erziehungsstrategien mit den Eltern zu entwickeln. Einen Ausschalter für die Problematik, bzw. eine einfache für Jeden passende Lösung wird es aber nicht geben.

Pädagogisches über AD(H)S:

AD(H)S äußert sich in:

  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche: Die Kinder sind unkonzentriert, ablenkbar und sprunghaft.
  • Impulsivität im Verhalten und beim Arbeiten: Sie zeigen wenig Selbstregulierung von Stimmungen und Gefühlen und leben im hier und jetzt. Die Kinder haben zumeist keinen Überblick über Situationen und können die Folgen ihres Handelns nicht bzw. nur sehr schlecht abschätzen. Daher haben sie auch große Schwierigkeiten, vorausschauend zu handeln.
  • Motorische Unruhe oder Verträumtheit.

Daneben können noch weitere Schwierigkeiten auftreten (Komorbidität):

  • Wahrnehmungs- und Teilleistungsstörungen z.B. Lese-Rechtschreibschwäche, Dyskalkulie
  • Sozial auffälliges Verhalten, gestützt durch emotionale Reizbarkeit, Neigung zu Affekthandlungen und aggressiven Ausbrüchen.

AD(H)S ist vielschichtig und jedes Kind zeigt unterschiedlich starke Ausprägungen der genannten „ Probleme “. Eine Störung der Aufmerksamkeit tritt vor allem bei wenig attraktiven, eintönigen und gering motivierenden Aufgaben auf→ es zeigt sich daher in der Schule oft viel deutlicher als in anderen Situationen!

Positive Eigenschaften eines AD(H)S Kindes:

  • sehr kreativ
  • phantasievoll
  • erfinderisch
  • wissbegierig, interessierte Offenheit
  • blitzschnelle Reaktionen
  • guter Beobachter (wenn es das Kind interessiert )
  • Arbeitseinsatz bei Interesse
  • spontan und hilfsbereit
  • Sinn für Gerechtigkeit
  • Herzlichkeit
  • wünscht sich Harmonie, Wärme und Anerkennung
  • Motivationsgesteuerte Konzentration und Leistungsfähigkeit
  • nicht nachtragend
  • Fähigkeit zu verzeihen
  • reinste „Stehaufmännchen“
  • … (Ihnen fällt bestimmt noch mehr ein)

Syndromtypische Auffälligkeiten:

  • hat ständig Angst, etwas zu verpassen
  • hohe Ablenkbarkeit durch ständige Seh- und Hörreize
  • redet ohne Punkt und Komma, „Sprechdurchfall“
  • motorische Unruhe: steht dauernd auf, geht umher, fällt vom Stuhl …
  • gedankliche Unruhe:
  • wirkt abwesend, muss mehrfach angesprochen werden, lebt in eigener Gedankenwelt
  • arbeitet langsam, unkonzentriert und macht Flüchtigkeitsfehler
  • lernt nicht aus Fehlern
  • hat Schwierigkeiten , sich vorsichtig, rücksichtvoll und planerisch zu verhalten
  • gerät schnell in Zorn, bekommt Wutausbrüche, fühlt sich ungerecht behandelt
  • zeigt unverschämtes und provokantes Verhalten
  • versucht Regeln nach eigenem Geschmack zu verändern
  • ist bei neuen Dingen häufig mit Feuereifer dabei, führt aber selten etwas zu Ende
  • täglicher Hausaufgabenkampf
  • unachtsamer Umgang mit Arbeitsmaterialien, Abheften von Arbeitsmaterialien gelingt nur schwer
  • kann keine Ordnung halten
  • Misserfolge in der Schule und privat (Spannung, Streit und Ablehnung durch Gleichaltrige und Ausschluss aus Gruppen, trotz Anstrengung), führen zu Lernblockaden, Gefühl des Versagens und zu gestörtem Selbstwert.

Je mehr Misserfolge zu verzeichnen sind, desto schneller dreht sich die Abwärtsspirale

→ das Selbstvertrauen verschwindet
→ es klappt immer weniger
→ Selbstvertrauen verschwindet
→ es klappt immer weniger
→ …

Was braucht das Kind / der Jugendliche mit AD(H)S?

  • Am Kind orientiert loben, nicht am Fehler strafen! Positive Aspekte und den guten Willen wertschätzen!
  • Maximale Einschätzbarkeit des Gegenüber: kein „vielleicht“, keine Versprechungen, die nicht eingehalten werden können ( das gilt auch für angekündigte Konsequenzen),
  • konsequentes, gleich bleibendes und stetiges Verhalten
  • Klare Regeln ( durch Regelpläne/ Regelverträge )
  • klare Strukturen, z.B. durch Familienregeln
  • Änderungen vorher besprechen
  • Sofortige positive Rückmeldungen durch LOB undz.B. durch Belohnungssysteme wie Punktepläne, Muggelsteine, etc. als Motivationsanreiz
  • Kinder mit AD(H)S lernen nicht aus Fehlern – auf gar keinen Fall „Auflaufen lassen“ (Hilfe statt Strafe)
  • Kontrolle, ob verlangtes auch durchgeführt wurde ( LOB bzw. angemessene Strafe )
  • Zeitstrukturen vorgeben, einüben von Zeitgefühl
  • Vermeiden von Hektik

Was können Sie tun?

  • Prinzip der kleinen Schritte!!!
  • Suchen Sie die positiven Eigenschaften/Handlungen Ihres Kindes und loben Sie Ihr Kind → nichts ist selbstverständlich!
  • Am Kind orientiert Loben, nicht am Fehler strafen
  • Erarbeiten Sie mit Ihrem Kind zusammen, was es gut kann → stärkt das Selbstwertgefühl
  • Stellen Sie eindeutige Regeln/ Familienregeln auf ( wichtig: konsequentes Einhalten )
  • Unterscheiden Sie zwischen Bitten und Aufforderungen,

bei Bitten: hier entscheidet das Kind und die Eltern akzeptieren seine Entscheidung

bei Aufforderungen: das Kind hat keine Entscheidungsgewalt, hier folgt dann notfalls die Konsequenz.

  • Suchen Sie den Augenkontakt (evtl. auch Körperkontakt) und sprechen Sie in kurzen Sätzen
  • Sprechen Sie in der ICH – Form mit ihrem Kind (ich will, dass du jetzt … , ich habe mich geärgert über…)
  • Positive und negative Konsequenzen müssen immer unmittelbar erfolgen
  • Führen Sie keine Grundsatzdiskussionen mit Ihrem Kind
  • Unterlassen sie „Predigten“ oder abwertende Bemerkungen z.B. „Warum denn nicht gleich so“, sondern „ Toll, das hast du jetzt aber gut gemacht“ oder „Darüber freue mich jetzt sehr“ …
  • Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind eine Wunschliste für Sonderbelohnungen an
  • Bestimmen Sie die Anzahl der Punkte, die für die Sonderbelohnung notwendig sind WICHTIG: keine Punkte abziehen!!!
  • Bei Wutausbrüchen und Beschimpfungen → TIME-OUT-ZEITEN ( zum „Entärgern“ ins Zimmer ) nach 5-10 Min. zum Kind gehen und Thema erneut aufnehmen
  • Seien Sie nicht nachtragend
  • Suchen Sie sich eigene „Inseln“, aus denen Sie Kraft schöpfen können!

Lernen fördern und unterstützen

So sollte der Arbeitsplatz aussehen:

  • Schreibtisch leer geräumt
  • Nur das benötigte Arbeitsmaterial auf dem Tisch.
  • Ausreichend Platz, damit nicht ständig etwas herunter fallen kann
  • Spiele, Comics u.a. „Ablenkprogramme“ möglichst in eine Kiste oder Schrank räumen, damit sie aus dem Blick sind
  • Keinen direkten Fensterplatz, da draußen ständig Dinge passieren die super spannend sind.
  • Einfarbige Schreibtischunterlagen (z.B. laminierter Tonkarton) als Hingucker lenken den Blick auf das Arbeitsmaterial.
  • Strukturiertes Vorgehen:
  • Was ist die Aufgabe?
  • Wie gehe ich am besten vor?
  • Sorgfältig und bedacht arbeiten!
  • Ohne Unterbrechung arbeiten!
  • Überprüfen der Arbeit!
  • LOB: „Habe ich gut gemacht!“ „ Das hast du gut gemacht!“
  • Zeitstrukturierungshilfen, z.B. Uhr die in Abständen Signal gibt, hilft dem Kind sich immer wieder neu zu konzentrieren. Teilt die Zeit akustisch ein und das Kind trainiert sein Zeitgefühl.
  • Lob und Anerkennung !

Der Wille zum Lernen und Arbeiten ist schon ein Lob wert. Dies sollte dem Kind positiv rückgemeldet werden evtl. auch durch Punkteplan und das Erarbeiten einer Belohnung ( welches das Kind zusammen mit ihnen festgelegt hat).

  • Lernen mit der Lernbox ( siehe Kopie )
  • Unterstützen durch Hausaufgabenheft evtl. schon vorgeschrieben, so dass ihr Kind nur noch in entsprechender Rubrik die Hausaufgaben aufschreiben muss
  • Hausaufgaben am Anfang der Stunde aufschreiben lassen ( in Absprache mit dem Lehrer )
  • Wochenplaner im Zimmer des Kindes: es kann sich orientieren was alles an diesem Tag ansteht. Unterstützt gleichzeitig die Entwicklung von Zeitgefühl und motiviert zur Arbeit, wenn das Kind z.B. sieht, dass es am Nachmittag noch zum Sport geht.

Spielend fördern

An dieser Stelle einige Anregungen zur spielerischen Förderung von Kindern.

Förderung der Aufmerksamkeit und Wachheit

Ligretto: Ein rasantes, kurzweiliges Kartenspiel, bei dem möglichst viele Karten gleicher Farbe in aufsteigender Reihenfolge abgelegt werden müssen. Ligretto aktiviert stark. Es trainiert die Aufmerksamkeit und das Tempo.

Solche Strolche: Ebenfalls ein Tempo-Spiel, das Träumer/innen aufweckt.

Auf dem Tisch liegen die verschiedenen Tiere des Bauern aus. Der Kartenstoß enthält Karten, bei denen jeweils ein Tier fehlt. Wer zuerst herausfindet was fehlt, bekommt die Karte.

Gruselino: Ein „schrecklich schnelles Suchspiel“. Alle Mitspieler erhalten ihr eigenes Gruselkabinett, auf dem alle Figuren zu finden sind. Auf dem Kartenstoß liegen Karten, auf denen jeweils ein Objekt oder Figur fehlt. Wer am schnellsten herausfindet was fehlt, erhält die Karte

Supernase: Vier Kommissare sind mit ihren Polizeihunden auf Verbrecherjagd. Sie bekommen ihre Aufträge von einem Kartenstapel, der genau angibt, welche Gangster verhaftet werden müssen. Für das Finden der Ganoven ist es wichtig, Muster zu erkennen und im Spielbrett aufzustöbern ( fördert auch die visuelle Wahrnehmung ).

Halli Galli: Ein rasantes Kartenspiel bei dem ein Fruchtsalat entsteht, den jeder Spieler wieder aufs Neue verändert. Aber aufgepasst, sobald genau 5 gleiche Früchte oben liegen muss man klingeln… der schnellste gewinnt.

Memori: Fördert die visuelle Wahrnehmung, sowie die Konzentration und Aufmerksamkeit

Gemeinsam Fernsehen: Es wird ein Quiz nach der Sendung veranstaltet und wer die meisten Fragen beantworten kann hat gewonnen. Dasselbe geht auch mit gelesenen/ vorgelesenen Geschichten. Fördert die Konzentration und die Aufmerksamkeit.

Sprachspiele: Wie z.B. Ich packe meinen Koffer, Teekesselchenraten, Quatschworte erfinden und nachsprechen, Stille Post und viele mehr. Fördert die auditive Aufmerksamkeit und die Konzentration.

Ersetzen eines Wortes in einer kurzen Geschichte z.B. das Kind klatscht immer wenn es das Wort „und“ hört. Fördert die auditive Aufmerksamkeit und die Konzentration.

Förderung des Planungsverhaltens

Viele Spiele fördern das Planungsverhalten, aber in erster Linie sind hier Strategiespiele zu nennen.

Vier-Gewinnt: Das Spiel wird zu zweit gespielt, es existiert auch in einer dreidimensionalen Fassung.

Schach: Man kann an diesem Spiel hervorragend Strategien üben, laut denken und dem anderen beim Denken zusehen.

Mühle: Ein hervorragendes Strategiespiel. Auch hier können lautes Denken geübt werden.

Labyrinth-Spiel: Es müssen immer neue Wege gesucht werden um an sein Ziel zu kommen. Planen und voraussauendes denken werden gut trainiert.

O no 99: Ein Kartenspiel für 2 oder mehr Spieler. Die Karten müssen nach bestimmten Regeln abgelegt werden und es darf nie die Zahl 99 erreicht oder überschritten werden. Es gilt, ein paar Regeln zu speichern, Zahlen im Raum 1-100 zu addieren und in einem einfachen Ausmaß Strategien anzuwenden. Es ist ein rasantes Spiel welches nebenbei noch das Addieren übt.

Set: Sets von drei Karten müssen gefunden werden. Diese müssen nach bestimmten Kriterien aufgebaut werden. Bei diesem Spiel muss man zuerst denken und dann rufen – eine Herausforderung für AD(H)S- Lernende.

Motorik

Es gibt viele Spiele, die insbesondere die Feinmotorik schulen. Hier nur einige Beispiele:

Mikado: Trainiert hervorragend die Feinmotorik, das dreidimensionale räumliche Sehen, sowie das Vorausdenken und Planen. Nur so merkt man, welchen Stab man nicht nehmen darf, weil er einen anderen vielleicht beschwert. Daneben werden die Aufmerksamkeit und die Ausdauer geschult.

Yenga: Es gilt Klötze aus einem Turm zu ziehen und ihn wieder oben auf zulegen, ohne das der Turm zusammenbricht. Dieses Spiel schult die Feinmotorik, räumliches Denken, Vorausdenken und Planen, sowie Aufmerksamkeit und Ausdauer.

Bewegungsspiele: Sie dienen zur Aktivierung, Motivierung und zur Auflockerung. Sie werden dem Bewegungsdrang der Kinder gerecht und fördern z.B. das genaue Hinhören

z.B. Twister, Bärenstark und Mäuseschlau, aber auch Bewegungsspiele wie Feuer, Wasser, Luft.